»Theoretiker sterben. Theorien ebenso. Selten geschieht beides gleichzeitig. Und doch gibt es eine Beziehung, eine seltsame Verbindung von Körper und Theorie«, schreibt Felix Keller, Autor der zweiteiligen Studie Anonymität und Gesellschaft (erschienen bei Velbrück Wissenschaft: Teil I (2021), Teil 2 (2022)), im Velbrück Magazin. In seinem Beitrag geht er der Krise – oder gar dem Ende? – soziologischer Großtheorien nach. Weiterlesen.
Felix Keller
Tote Theoretiker
In der Scherbenwelt der Großtheorien
Das Fleisch der Theorie
Theoretiker sterben. Theorien ebenso. Selten geschieht beides gleichzeitig. Und doch gibt es eine Beziehung, eine seltsame Verbindung von Körper und Theorie. In einer Schrift Pierre Bourdieus findet sich eine Präambel, die vom Sterben des Zen-Lehrers Feng handelt. Feng erkundigt sich bei seinen Schülern, ob sie von Meistern wüssten, die im Stehen entschlafen seien, als diese bejahten, fragte er, ob sie von einem Lehrer vernommen hätten, der auf dem Kopf stehend die Erde verlassen hätte. »Bis zum heutigen Tage nicht« lautete die Antwort. Daraufhin stellte Feng sich auf den Kopf und verschied.
Die Erzählung von Bourdieus eigenem Hinschied ist weit profaner, vom Redigieren von Manuskripten noch im Totenbett ist die Rede. Sein Tod reiht sich zu jenem anderer Großtheoretiker des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts, etwa Jacques Derridas, Michel Foucaults, Lévi-Strauss’, Roland Barthes’, Niklas Luhmanns. Philippe Felschs Werk Der lange Sommer der Theorie, das von einer längst vergangenen großen Zeit der Theorie berichtet, liest sich wie ein Totenbuch, und der Essay endet sinnigerweise auch mit einer Beerdigung.[i]
Sie sterben weiterhin alle weg, die Großtheoretiker, und die Gräber reihen sich im Friedhof der Theorie, verstorbene »Jahrhundertmenschen«, die, so die schon beinahe rituelle Formulierung in den Nachrufen, über alle Massen verehrt wurden: So schildert Tobias Haberkorn in seinem Nachruf Bruno Latour als eine Person, die den Schülern als »Guru« erschien. Lévi-Strauss sprach über Lacans Seminar, dass dessen leibliche Performanz ihn sehr an die Praktiken eines Schamanen erinnere. Gumbrecht erinnert sich, dass er und andere Geisteswissenschaftler Niklas Luhmann schlicht »vergötterten«. Entsprechend wurden noch nicht Initiierte, die als Studenten oder Doktoranden in das Feld der Geistes- und Sozialwissenschaften traten, gezwungen, sich einem der Stämme anzuschließen: »Derrida oder Habermas? Lyotard oder Luhmann? Das waren Entscheidungen von existentiellem Gewicht«, so Felsch über die 80er Jahre.
Allesamt waren die Verstorbenen natürlich keine Trickster wie Feng, sondern alleine der wissenschaftlichen Erschließung und dem Begreifen der Welt verpflichtet. Und es gibt ja noch Überlebende, so Jürgen Habermas, eine Art Quastenflosser aus der Kreidezeit der Großtheorie oder Anthony Giddens, der die Entrückung in den britischen Adelsstand als Theoretiker nicht überstanden hat. Allein, der Gestus der Theorie scheint selbst merkwürdig überkommen. »The golden age of cultural theory is long past«, schrieb Terry Eagleton bereits im Jahre 2003.[ii] Selbst wenn sie noch unter den Lebenden weilen: Die grundlegenden Arbeiten von Lévi-Strauss, Louis Althusser, Michel Foucault, Jacques Derrida, Jürgen Habermas, Roland Barthes und Pierre Bourdieu seien von mehreren Jahrzehnten verfasst worden. Theoretisches Denken, als Reflexion der Bedingungen des Aussagens und Beobachtens, bleibe zwar unabdingbar präsent, doch es gäbe kein zurück, diese Zeiten der »high theory« seien endgültig vorbei. Großtheorien, also die Schriften der genannten Theoretiker, gälten schlicht nicht mehr als »sexy«. Sadomasochismus interessiert mehr als Sozialismus. Körperlichkeit gewinnt eine neue Faszination, aber es ist der erotische Körper und nicht der von der Arbeit geknechtete, der Aufmerksamkeit errege. Ulrich Raulff sagt, dass man mittlerweile verwunderte Blicke auf sich ziehe, wenn man zu schildern versuche, mit welch heiligem Ernst man sich auf alles stürzte, was in den 1970er- und 1980er-Jahren nach Theorie aussah, die damals als das höchste Gut intellektuellen Lebens darstellte.[iii] Felsch vermutet, dass Theorien ab und an zurückkämen, aber allenfalls, mit dem Geschmack von »Retro«. Der Versuch, Großtheorien oder gar »Theorietheorien« zu retablieren, klinge nach einem bloßen Rückzugsgefecht.[iv]
Die Theorie hat zwei Körper
Besteht zwischen diesem Hinwegsterben der Theoretiker und der schwindenden Geltungsmacht von Großtheorien ein Zusammenhang? Oder verstarben zufällig ein paar Menschen mit ähnlicher Biografie, und es werden irgendwann neue Großtheoretiker folgen, deren Namen man noch nicht kennt, die vielleicht noch nicht geboren sind? Oder ist die Zeit der Großtheorie tatsächlich vorbei? Welche Rolle spielt dabei die körperliche Präsenz der Theoretiker, das Fleisch der Theorie gleichsam, für eine Rolle? Eine »leibliche Bedeutung« der Theorie erscheint zunächst kontraintuitiv. Bei Theorien handelt es sich um sprachliche Angelegenheiten, um Verweissysteme von Sätzen, die anleiten, wie Zonen des Realen zu beschreiben sind und die vielleicht leibhaftig niedergeschrieben oder geäußert werden, aber einer anderen ontologischen Sphäre angehören wie der Leib. Freilich, bei genauerer Betrachtung lässt sich erkennen, dass der Leib in symbolischen Formationen durchaus eine zentrierende Funktion zukommt und die Leiblichkeit von Theoretikern in wissenschaftlichen Diskursen eine Rolle spielt. Alleine die Feststellung Terry Eagletons in seinem Buch The End of Theory, dass es noch gar nicht lange her sei, als dass über lebende Autoren an englischen Universitäten nicht geforscht werden durfte, legt die Bedeutung des Leibes in der Artikulation von Diskursen fest, Totsein ist dann eine Art Trademark auf dem akademischen Feld. Doch darüber hinaus wird die Signifikanz des Körpers in symbolischen Ordnungen in verschiedenen klassischen Untersuchungen festgestellt, zuallererst im Feld der politischen Macht; man erinnere sich an die beiden Körper des Königs, von denen Kantorowitz sprach:[v] der leibhaftige Körper als Inkarnation göttlicher Macht und der symbolische Körper, der die Gesellschaft Frankreichs manifestiert. Norbert Elias’ Untersuchungen zur höfischen Gesellschaft seien erwähnt, die eingängig zeigen, wie dieser Körper ein eigenes Umfeld der Nähe und Distanz erzeugt, eine Figuration der politischen Macht, eine stets instabile Balance aufrechterhalten durch konkrete Handlungen wie des Ankleidens des Königs.[vi]
Doch auch wissenschaftliche Macht vermittelt sich durch den Leib, oder zumindest durch Körperteile. Roland Barthes spricht von Einsteins Gehirn als Mythos.[vii] Ein Bild zeigt Einstein mit Sonden an seinem Schädel, man bat ihn, an die Relativitätstheorie zu denken. Lenins Gehirn wurde in Scheiben geschnitten und eingehend studiert. Beide Male geschieht der Eingriff in den Leib, um den körperlichen Ort ihrer genialen Theorien zu lokalisieren. Im zerbrechlichen Körper Stephen Hawkings vermutete man einen Intellekt, dessen Genie die Größe des Universums zu vermessen vermag. Es ist wohl dieser Gegensatz von genialem Geist und von Zerfall gezeichneten Körper, der ihn zu einer Ikone der Popkultur geraten ließ. Freilich, die romantische Vorstellung des Genies basierte insgesamt auf einer bestimmten Vorstellung der körperlichen Verfasstheit des Genialen, kranker Körper und Genie bilden eine Einheit, so sah es etwa der Psychiater Joseph Moreau (1804-1884),[viii] den H.G. Wells in seinem Inselroman die Referenz erwies. Die Idee der angeschlagenen körperlichen Gesundheit des Genialen setzte sich so sehr fest, dass Dilthey später klarstellen musste: »Das Genie ist keine pathologische Erscheinung, sondern der gesunde, vollkommene Mensch«.[ix]
Weshalb soll ausgerechnet bei den soziologischen Großtheoretikern, den Genies der Soziologie, der Leib keine Rolle spielen? Es ist stillschweigend nicht die Eigenschaft des Körpers selbst, sondern die Ordnung und Praktiken der Wissenschaft, die ihm womöglich eine Bedeutung zuweisen, innerhalb eines Aussagesystems, indem er gar nicht als Größe vorkommen dürfte, jedenfalls in der klassischen Theorie der Wissenschaften selbst. Es ist, als ob im Bereich der Wissenschaften vom Menschen das Konstrukt der Theorie eine hohe Instabilität aufwiese und diese Unbeständigkeit immer wieder ein »Fleisch der Theorie« erkennen lässt: die Präsenz der Körperlichkeit, welche die Worte hervorbrachte, womit diese fleischliche Körperlichkeit stets Bezugspunkt der Zuschreibung von Sätzen darstellt.
Weshalb gehen aber Leib und Theorie einher? Die Sprachspielmetapher, von Feyerabend in die Wissenschaftstheorie eingebracht, bietet sich hier tatsächlich an, sie vereint Spieler mit Sätzen. Mehr noch: die Spielmetapher erinnert auch an Hermann Hesses Roman das »Glasperlenspiel«, in der ein Spiel in reiner Ästhetik und Mathematik zelebriert hat, das das Zeitalter des geistigen und narzisstischen Wirrwarrs (das »feuilletonistische Zeitalters«) hat enden lassen. Diese verehrende fiktive Biografie des größten aller Spieler, des Magister Ludi, weist so unweigerlich auf die Bedeutung des leibhaftigen Spielers innerhalb der Sprachspiele hin.
Entsprechend gibt es, ganz entlang von Wittgensteins Diskussion der Spielmetapher, unendlich viele mögliche Spiele, und für jedes passt eine Welt. Es gibt kleine Spiele, irgendwo mit wenigen in einer rauchigen Spelunke geführt, die die kleinen Welten der alltäglichen Misere beschreiben und erklären, es gibt nationale Spiele wie die Systemtheorie Luhmanns, sogar globale Spiele, mit einem systematischen Regelwerk, welche die ganze Welt umfassen, Parsons »AGIL« und Latours Gaia, der in der letzten Phase auch vor dem Weltall nicht Halt macht, erinnern daran. Sie erzeugen innerhalb der Spielgemeinschaft legitime Beschreibungen über potenziell sämtliche gesellschaftlichen Phänomenbereiche, selbst über jene, die in den Satzsystemen nicht thematisch sind. Und es gibt Spiele, die von einem einzelnen Spielmeister getragen werden, und solche, die eher kollektiv funktionieren.
Spiele leben zudem von einem applaudierenden Publikum. Was die Fankultur im Fußball, ist die Lesekultur in der Theorie. Felschs langer Sommer der Theorie ist letztlich auch ein Buch über eine Politik des Lesens, des monströsen Lesens, das seit jeher subversive Kraft entfalten kann.[x] Die Reaktionen können auch Widerstand umfassen, Widerstand gegen Theorie als solche.[xi] Diese anerkannt aber letztlich das Sprachspiel selbst noch an, obwohl es im Konkreten abgelehnt wird. Fataler ist es indessen, wenn die Spiele zu langweilen beginnen, die Spieler wie die Zuschauer-Leser. Es verbreitet sich dann der Eindruck, dass alle intellektuellen Spiele irgendwann schon gespielt worden seien, die »Partie zu Ende ist«, ein desillusionierter Skeptizismus sich breit.[xii] Es entsteht dann Theoriemüdigkeit, die auf das Totlaufen von Sprachspielen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen hinauslaufen. »Wer zwischen seiner Geburtsstadt Lüneburg und dem Universitätssüden von Konstanz immer noch systemtheoretisch spricht oder schreibt, der darf sich bestenfalls auf einen Nostalgie-Effekt verlassen«, so Hans-Ulrich Gumbrecht im Rückblick auf Luhmanns Systemtheorie.[xiii]
Freilich, die ehemaligen Mitspieler wehren sich dann. Angesichts dieser Gefahr der Zersplitterung und des Zerfalls wird mühsam versucht, den Leichnam des Magister Ludi lebendig zu halten, die letzten Texte und Notizen zusammenzukramen, und die Generosität der Meister weiterleben zu lassen. Luhmanns Zettelkasten wird digitalisiert und einer abwesenden Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Oder: Bourdieu führte damals das Konzept der sozialen Felder als schlichtes Werkzeug ein, um Phänomene relational in Bezug zueinander zu stellen; Bourdieu ging es allerdings gerade nicht darum, eine »théorie théoriciste« zu betreiben. Nun werden doch mühselig sämtliche Notizen herbeigezogen mit bereits veröffentlichten Artikeln vermixt, und diese unter seinem Autorennamen als Werk Microcosmes veröffentlicht, in der Hoffnung, der geneigte Leser könne die Spielzüge des verstorbenen Magister Ludi selbst vervollständigen.[xiv] Michel Foucault hatte posthume Publikationen testamentarisch untersagt, dennoch wird auch hier die letzten Vorlesungsnotiz zusammenkratzt. Es hilft nicht: Die großen Stadien der Theoriespiele sind verlassen, zur Ruine geworden, einzelne Bestandteile, wie beim historischen Kolosseum, werden zweckentfremden in unzähligen kleinen Theoriehütten verbaut, zwischen denen Theoriebarbare streifen. So bleibt denn die Frage, wie kam es zu diesen Spielen der Gesellschaftstheorie überhaupt?
Theorie als exotisches Verhalten
Geschichten der soziologischen Theorie, der Geschichte von Ideen, vielleicht noch mit historischem Kontext versehen, der die Ideen erklärt, gibt es viele, sie setzen irgendwo ein und behandeln Texte, paradigmatisch hierfür sind Marcuses und Heilbrons Arbeiten zur Rise of the Social Theory, beide mit fast identischem Titel,[xv] jedoch mit unterschiedlichen Entwicklungslinien, die zu demselben Kulminationspunkt soziologischer Theorie führen (Auguste Comte). Soweit absehbar gibt es noch keine Archäologie der Theorie, welche die Emergenz und Performanz eines spezifischen Zusammenhangs von Aussagen untersucht: einer Archäologie von »Satznestern« (Wittgenstein), die Spielzüge beinhalten, wie auf legitime Weise die soziale Welt beschrieben werden kann. Eine gewisse Aufnahme stellen Hans Blumenberges Buch Das Lachen der Thrakerin. Eine Urgeschichte der Theorie dar, sowie Andrea Nightingales Untersuchung zu den Spectacles of truth, auf die unten eingegangen wird. Bei Blumenbergs Untersuchung handelt es sich eher um die Geschichte einer Metapher. Sie geht auf eine sehr alte Erzählung der äsopischen Fabeln zurück. Der Philosoph Thales stürzt beim konzentrierten Studieren des Firmaments, den Blick in den Himmel, in eine Zisterne, die er in voller Konzentration auf die Gestirne übersehen hatte. Eine thrakische hübsche Dienstmagd entdeckt ihn und lacht ihn aus: Er wolle leidenschaftlich die Dinge am Himmel erklären und wissen, und übersehe dabei das, was ihm am nächsten sei. Diese Fabel geistert seither in der Philosophie und Theoriegeschichte. Die Szenerie ist für Blumenberg exemplarisch: Für Außenstehende müssen die theoretischen Praktiken exotisch, sogar lachhaft erscheinen, da die Reflexion über die Sterne sich ihnen nicht erschließt – außer vielleicht einem Kreis von Eingeweihten, Schülern, so ließe sich hinzufügen, die eifrig die Welt des Theoretisierens entschlüsseln möchten. Nicht umsonst spricht Blumenberg tatsächlich von Theorie »als exotischem Verhalten«. Dies rührt daher, weil das, was der Theoretiker tut, wenn er theoretisiert, für andere unsichtbar bleibt. »Theorie ist etwas, was man nicht sieht«. Zwar bestehen theoretisches Verhalten aus Handlungen, die unter intentionalen Regeln stehen und zu Komplexen von Aussagen in regulierten Zusammenhängen führen, aber diese Handlungen sind nur mit ihrer Außenseite als eine Art »Verrichtung« sichtbar. Deshalb wirken sie zuweilen bizarr. Für Außenstehende ist es als, ob sie »den Zuschauern einer Sportart zuzuschauen, deren Ablauf und Regeln man nicht kennt«, was »zum Lachen reizen« kann.
Doch diese Urszene der Theorie, dieses Motiv, das Blumenberg bis in die Gegenwart verfolgt, ist indessen keine Archäologie, sondern eher eine Exploration und eine Philosophie eines Motivs, das sich durch die Geistesgeschichte zieht. Eine Archäologie der Theorie hingegen beobachtete, wie ein Artefakt, der Term »Theorie«, Diskurse organisiert, erzeugt, Gebiete absteckt, die zum Aussagenbereich gehören. Es stellte sich so die Frage nach der umfassenden Produktionsweise von Theorie: Auf welche Weise darin Wissen erzeugt wird, das als legitim erscheint, auf welche Weise dieses Wissen über eine performative Präsenz von Akteuren erzeugt wird; inwiefern dieses Wissen gegenüber anderen Formen abgeschlossen wird, und schließlich auch: Wie diese Zitadellen der Theorie wiederum sich Kritik und Widerstandsformen ausgesetzt sehen. Es ginge weniger um die Inhalte einer Theorie, sondern um die Frage wie Aussagen erzeugt werden, die als »theoretisch« gelten und sich so von anderen Aussagen abgrenzen lassen. »Wahnsinn«, um ein klassisches Beispiel zu zitieren, ist schwierig zu definieren; es lassen sich aber Regeln, Praktiken, Aussagen, Beobachtungen identifizieren, die je unterschiedliche Vorstellungen des Wahnsinns hervorbringen in Form von Definitionen, Fiktionen, Büchern, wissenschaftlichen Artikeln, medizinischen Praktiken. Und hier kommt auch der Leib ins Spiel: Genauso wie die Welt des Wahnsinnigen verschlossen ist, nur sein Verhalten als wahnsinnig definiert wird, so sind es auch die unsichtbaren Gedankengänge, die der Theorie zugrunde liegen, um Blumenberg zu folgen, was wiederum Biografien, und Einführungsbücher über die Theoretiker ermöglicht, die alles in klarem Licht erscheinen lassen und im Falle besonderen Erfolgs der Theorien dazu führen, dass die Gehirne toter Theoretiker entnommen und in Scheiben geschnitten werden. So erscheinen die Spiele einer Schule für Außenstehende womöglich als merkwürdig, nicht verstehbar. Aber als Spiele sind sie nachvollziehbar: etwa die seltsamen Praktiken der Zeitschrift Scilicet der École freudienne de Paris, in der nur das leibliche Zentrum der Schule, Jacques Lacan, seine Artikel mit Namen zeichnete, und die Beiträge anderer Autoren anonym veröffentlicht werden mussten.
Skizzen zu einer Archäologie der Theorie
An dieser Stelle können nur einige provisorische Überlegungen skizziert werden, wie eine Archäologie der Theorie aussehen könnte, die sich nicht in einer Ideengeschichte erschöpfte, sondern die gesellschaftlichen Praktiken und Techniken des Theoretisierens mit einbezöge und just auch die Leibhaftigkeit der Theoretiker selbst. Sicher würde sie die Performanz des Theoretischen, das Spektakuläre (im Wortsinn) integrieren: Sehen und Show sind seit jeher mit dem Konstrukt der Theorie verbunden, wie Andrea Nightingale in ihrer Untersuchung Spectacles of thruth in classical greek philosophy zeigt.[xvi] Theoreín ist ursprünglich von theorós abgeleitet und letzterer Begriff meint: Jener, der eine Schau sieht. Als theorós wurde auch der Abgesandten der Polis zu Götterfesten und Orakeln bezeichnet. Theorie als »show« ist also ursprünglich im Begriff angelegt. Der theorós ist nicht irgendwer, sondern sein Zugang zum Sehen, zur Kontemplation, seine Schau der Wahrheit ist an ihn als leibliche Person, seine Besonderheit, sein Status gebunden. All dies zeigt, so wiederum Nightingales Untersuchung, dass Theorie seit jeher spektakuläre Praktik war, oder eben, mit Blumenberg, exotisches Verhalten. Auch als Theorie mit wissenschaftlicher Tätigkeit verbunden wird, bleibt Theoretisieren eine kontemplative Tätigkeit. Leben in reiner Theoria ist dem Menschen zwar verwehrt, er kann im Vollzug des theoretischen Lebens sein großes Glück finden und so weit wie möglich unsterblich werden.
Erst in der Neuzeit allerdings, im Zuge des aufbrechenden wissenschaftlichen Geistes, wird Theorie mit Wissenschaft, genauer Naturwissenschaft verbunden, ausgehend von der Astronomie. Die Ausstrahlung der neu entdeckten Wissenschaften und ihres Denkens ist so groß, dass der Theoriebegriff eigentlich Urstände feierte. Allerorts erschienen Werke, die eine Theorie zu irgendetwas beinhalteten, wie sich heute bibliometrisch rekonstruieren lässt: Die Neue Theorie der schönen Gartenkunst (1797) stand neben einer Theorie des Mondes (1765). Eine Nouvelle théorie des plaisirs (1767) stand neben einer Theorie von den Wirkungen des Teufels und der Gewalt der Kirche wider denselben (1777).[xvii]
Doch hier erleben theoretisierende Praktiken auch ihre erste Kritik, von Francis Bacon wie von Hobbes: Wissenschaft habe sich alleine auf die Fakten zu konzentrieren. Bacon, der noch eine Theory of Heaven entwickeln wollte, wertete die Möglichkeit einer vollständigen Abschaffung von Theorie als Erfolg der Wissenschaften selbst: »theorias et notiones communes penitus absolere«, forderte er. Theorie nimmt nun nicht mehr die höchste, sondern vielmehr die niedrigste Stufe des Wissens ein. Mehr noch, eine zweite Form der Kritik ergibt sich darüber, dass sich der Bedeutungsgehalt des Begriffs der Theorie vervielfältigte, in die Alltagswelt Eingang gefunden hat, meist im pejorativen Sinn.[xviii] Es melden sich kritische Stimmen gegen solche »Theorienschmidte«, welche »Systeme wie Spinnen und Theorien wie Vogelnester bauen«.
Die Geburt der Gesellschaftstheorie
Doch es ist auch die Zeit, in der die soziologische Theorie zu erwachen beginnt, ihre Ursprünge werden unterschiedlich lokalisiert, in der Moralphilosophie, dem Recht, bei Hegel. Eine archäologische Perspektive fragte indes nicht nach der Geschichte von inhaltlichen Ideen, die in Gefahr läuft, eine lineare Entwicklung eigentlich zu normalisieren, sondern inwiefern ein »Artefakt«, hier »Theorie« auftaucht und sich mit bestimmten Praktiken verbindet. Und diese Praktiken sind revolutionär, oder konterrevolutionär. Auf jeden Fall: »The rise of social theory«, wie Marcuse und Heilbron diesen Vorgang nennen, ereignet sich nicht nur in der Konstellation der Revolution, sie ist Bestandteil von ihr. Die erste Publikation, die ich ausfindig machen konnte, die das Konzept der Theorie explizit ins Spiel der erwachenden Gesellschaftswissenschaft einführte, ist von Jean-Baptiste Salaville (1755-1832), der Titel des Werkes heißt L’homme et la société, ou Nouvelle théorie de la nature humaine et de l’état social; es wurde 1798 veröffentlicht. Über Salaville ist nicht viel bekannt. Er war ein Schriftsteller und Journalist, der an der Französischen Revolution aktiv teilnahm. Er veröffentlichte auch Schriften wie Essai sur le duel oder De l’Homme et des animaux. Das Verfassen seiner gesellschaftstheoretischen Schrift hatte konkrete Gründe, er wollte jegliche Hoffnung der Restauration der Monarchie die Legitimation entziehen. Er versuchte deshalb, die Freiheit des Einzelnen im Kontext der Gesellschaft naturrechtlich zu begründen. Die Notion »Theorie«, die ansonsten nicht weiter begründet wurde, zehrte von der Wissenschaftlichkeit, der Präzision, die sie damals schon in den erwachenden Wissenschaften eingenommen hatte. Theorie war politische Waffe.
In einem ebenfalls revolutionären, genauer frühsozialistisch-utopischen Kontext stand auch die nächste frühe Schrift, die das Konzept der Theorie explizit gebrauchte, und sie ist im Gegensatz zu Salavilles Text keineswegs vergessen: Charles Fouriers 1808 veröffentlichte Théorie des quatres mouvements.[xix] Engels feierte Fourier als Vorläufer des wissenschaftlichen Sozialismus, der die Dialektik mit derselben Meisterschaft betrieben habe wie Hegel. Wie der frühe Positivismus wollte sich Fourier strikt an die Fakten halten, die unexakten Wissenschaften verwirrten den Verstand. Mit seiner »théorie de l’attraction passionnée«, der Theorie der leidenschaftlichen Beziehungen, wollte er Newtons Theorie der Schwerkraft erweitern. Wie die Himmelskörper sich von alleine in Harmonie einpendeln, so ergäbe sich auch bei den Menschen, die unter Anziehung verbunden seien, irgendwann ein harmonischer Zustand. An dieser Harmonie werden sie nur durch Institutionen wie der Familie und den Staat gehindert, die es abzuschaffen gälte.
Fouriers Vorstellung, was ein Faktum sei, ist allerdings eine besondere, nicht nur das, was ist, sondern auch das, was sein könnte. Er exploriert die Menschheitsgeschichte 80’0000 Jahre in die Zukunft, dem Zustand der vollständigen Harmonie, bevor alle Existenz erlischt. Es kommen hausgroße Birnen vor und Anti-Giraffen und auch Grundeinkommen und die Forderung nach gleichen Rechten für Geschlechter. Sein Vermögen und seine Konzeption, ein Anderes der Gesellschaft zu denken, machten ihn zu einem bewunderten Autor der Surrealisten, Breton widmete ihm eine Ode à Charles Fourier. Die Praktiken des Theoretisierens sind bei Fourier gleichzeitig mit dem Konzept der spektakulären Schau (der Zukunft, des anderen Möglichen) verbunden, wie mit einer Reklamation der Wissenschaftlichkeit in Anlehnung an Newton: ein Spiel, das gerade wegen seiner Absurdität noch heute fasziniert.
Werden nun Heilbrons The Rise of Sociological Theory und Marcuses Hegel and the Rise of Sociological Theory als Bezugspunkt herangezogen, so zeichnet sich mit der Archäologie der Theorie ein anderes Verständnis des Gebrauchs von Gesellschaftstheorie als bei diesen Untersuchungen. Die klassisch ideengeschichtliche Arbeit Heilbrons erwähnt Salaville und Fourier nicht, Marcuse nennt Fourier mit einem Wort; beide Arbeiten Rekonstruieren die Genese aus der Perspektive einer wissenschaftlichen Gesellschaftstheorie des 20. Jahrhunderts, und untersuchen, was zu ihr geführt hat, ohne aber zu sehen, was wegfällt, welche Brüche sich ereignen. Sie gehen vielmehr mehr von dem schon aus, was für sie Theorie meint und beziehen sich also auf Autoren, die »Satznester« etablieren, die erst später als Theorie bezeichnet werden. Diese Normalisierung von Theorie lässt sich exemplarisch bei der Diskussion von Auguste Comtes Werk erkennen, in dem der Name der Soziologie und der Gesellschaftstheorie zueinander finden.
Auguste Comtes zerrissenes Leben, wie es wohl nur vor dem Hintergrund der nachrevolutionären Phase erklärbar ist, wird von einem ebenso umfassenden wie eigenwilligen Werk überspannt. Die Entwicklung eines Système positive ist hinreichend bekannt und wird konträr diskutiert, es sei originell, der Anfang der Soziologie (den Namen erfand er ja, nachdem ihm in Quételet mit einer Idee der Physique sociale zuvorgekommen war),[xx] oder aber er sei bloß Namensvater der Soziologie, hätte sonst alles zusammengeklaut. Marcuse zeigt indes, wie Comtes Theorie von Anbeginn an auf Polemik und Spektakel ausgelegt war. »Positivismus« war ein Kampfbegriff gegen die metaphysische Ordnung, die letztlich das Ancien Régime begründete. »Positive Philosophie« der Gesellschaftstheorie war ein polemischer Term in gleich zweierlei Hinsicht: Er zielte auf die Bedeutung des Faktischen gegenüber dem Ideellen und forderte die Loslösung der beginnenden Gesellschaftswissenschaften von der politischen Ökonomie.
Bemerkenswert ist allerdings, welche Realität bei solchen theoriegeschichtlichen Darstellungen abgeschnitten werden. Auguste Comte entwickelte sein positives System der Wissenschaft zu einer Soziologie weiter, so viel ist bekannt, dann aber entwarf eine »réligion positiviste«, eine Religion ohne Gott, dafür mit einem Grand-Être, die Gesellschaft. Comte meinte es mit seiner atheistischen Religion Ernst, er ersuchte den türkischen Großwesir, den Zaren und die Jesuiten um Unterstützung, um ihm bei der Verwirklichung der neuen Religion beizustehen.[xxi] Er wollte die Gottesdienste, für die er in seinem Katechismus einen eignen Festkalender entwarf, in der Notre-Dame von Paris stattfinden lassen, und er soll 1851 nach einer fünfstündigen Vorlesung seine Machtübernahme über den Erdenkreis verkündet haben.[xxii] Ist dies nur die tragische Wende eines Genies, oder kehrt hier schlicht der theorós zurück, jener der eine Schau sieht und in einem Spektakel inszeniert? Womöglich ist es nicht der Wahnsinn, den Comte plagte, sondern er wollte nichts anderes als Theorie zur totalen Lebensform überführen, das Sprachspiel des Positivismus zum Zentrum eines Kults erheben. Insofern wäre der erste soziologische Theoretiker zugleich der radikalste gewesen.
Theorie ohne Fleisch
Die Soziologie erfährt in der Folge einen Prozess der Verwissenschaftlichung, aus den diversen Geschichten der soziologischen Theorie ist dieser Prozess hinlänglich bekannt. Eine archäologische Perspektive verspräche aber womöglich solche Momente der »ursprünglichen« Performanz der Theorie wieder hervorzuheben, als Form der Sprachspiele. So etwa könnte der initiierende Streit in der französischen Soziologie zwischen Tarde und Durkheim nicht sogleich als eine inhaltliche Differenz betrachtet werden, sondern als Konflikt zweier unterschiedlicher »Spielwiesen«: hier Tardes eigentlich »verspielte« Theorie, die auch zu einem utopischen Roman führte,[xxiii] eine Art theoretisches Solitär, dort Durkheim als Magister Ludi einer umfassen Schule, die ganz andere Formen von Ressourcen mobilisierte. Desgleichen könnte ein Blick geworfen werden auf den Streit zwischen Max Weber und Stefan George als Konkurrenz zweier nur scheinbar gänzlich unterschiedlicher Spiele an einem Ort, Heidelberg, die dennoch gleichsam ikonische Spieltechniken hervorbrachten, die ohne die konkreten Magister Ludi, Weber und George, sich nicht vorstellen ließen (und beide mit ihren zentralen Personen auch verschwanden).[xxiv]
Experimente wie bei der Zeitschrift Scilicet ließen sich unter einem anderen Blickwinkel betrachten: so etwa Foucaults Interview, das er anonym Le Monde gab, um sein Wissen als solches, und nicht als Erzeugnis eines großen Namens, entfalten zu lassen und damit, honi soit quit mal y pense, das große Rätseln in einschlägigen Kreisen entfacht hatte, wer der maskierte Philosoph sein könnte. Foucaults mediale Präsenz blieb so umfassend, dass Thomas Hirschhorn ihm eine multimediale Installation liefert, 24h Foucault, die Radio-Sendungen und TV-Shows über Foucault in Endlosschlaufen präsentierte, neben anderen medialen Erzeugnissen zu dessen Person: der tote Theoriekörper replizierte sich medial ins beinahe unendliche, eine Art Zombie-Foucalypse. Doch dies sind womöglich nur Nebenschauplätze.
Darüber hinaus fragte es sich vor allem, was zum gegenwärtigen Zustand der Theorie in der normalen wissenschaftlichen Soziologie führte. Dieser lässt sich vielleicht an einem viel zitierten Artikel, von Gabriel Abend, The meaning of theory, erkennen.[xxv] Die Soziologie sei seit langem von Streitigkeiten gezeichnet, was überhaupt eine Theorie sei, was einen theoretischen Beitrag ausmache, wie weitere Fortschritte in der Theoriebildung erzielt werden könnten, ob die Soziologie theoretische Fortschritte gemacht habe, welches theoretische Paradigma zu bevorzugen sei, welche Funktionen die Theorie habe, was es bedeute, wenn eine Arbeit als atheoretisch gilt. Er versucht anhand von verschiedenen Positionen herauszufinden, was denn Theorie in der Soziologie überhaupt sei, ohne klares Ergebnis. Dahingehend erkennt Abend ein semantisches Dilemma, da die Undefinierbarkeit einerseits stimmig erscheint angesichts des Zustands der Soziologie, andererseits wenig hilfreich für soziologisches Arbeiten ist. Er will es mit einer pragmatischen »semantischen Therapie« angehen, die darauf hinausläuft, möglichst die Bedeutung des angewandten Begriffs in der normalen Soziologie zu bewahren. Ob eine filigrane Differenzierung in dutzende mögliche Theoriebegriffe hilft, sei dahingestellt: Was einer solchen exemplarischen Perspektive der »Klärung« und relativierenden Differenzierung auszeichnet, ist augenscheinlich das fehlende Fleisch der Theorie. Das leibliche Kind wird sprichwörtlich mit der Colemanschen Badewanne ausgeschüttet.
Die ruinierten Arenen der Spiele
Gemeinhin gilt es als eine gute Sache, dass Theorien sterben: »Lasst Theorien sterben, nicht Menschen!«, forderte Karl Popper. Für die Theorien selbst ist es allerdings manchmal etwas ungünstig, wenn die Theoretiker sterben. Weshalb? Satznester freigestellter Theorien haben die inhärente Tendenz sich aufzulösen, alleine durch den Gebrauch zu zerfallen, so die Überlegung. Der Wittgenstein-Schüler Friedrich Waismann spricht in diesem Zusammenhang von »open texture«.[xxvi] Damit ist gemeint, dass jegliches, logisch noch so klar definierte Konzept letztlich offen ist, hinsichtlich dessen, was es bedeutet, wenn es auf einen neuen Wirklichkeitsbereich angewandt wird. Es geht also nicht um Polysemie schlecht definierter Begriffe, vielmehr können die Begriffe im ursprünglichen System ausgezeichnet definiert sein. Diese Möglichkeit zur Vagheit rührt daher, dass in einem Konzept nie alle Anwendungsmöglichkeiten und damit Bedeutungsformen vorgesehen werden können. Sprachspiele sind aber Aktivitätsformen, die sich in immer neuen Situationen ereignen, und anpassen können, sonst wären sie keine. Doch auf den Gebrauch in neuen Umgebungen können sie nicht perfekt vorbereitet sein, gerade wenn sie in einem Sprachspiel gut definiert sind, so ließe sich die Idee von »open texture« beschreiben. Dies gilt natürlich auch für die soziologische Theorie: Parsons AGIL Schema soll nicht nur für die Texte und darin verwendeten Ausführungen gelten, die Parsons selbst aufbereitet hat, sondern das AGIL-Spiel soll auf andere Bereiche angewandt werden. So verliert damit bei jedem Einsatz, den Parsons nicht vorhergesehen hat, notwendigerweise sein Konzept auch seine Eindeutigkeit, da der Einsatz so nicht vorgesehen ist (siehe die Debatte zwischen Schütz und Parsons). Das heißt, das Konzept wird im Gebrauch zusehends vage und damit das ganze Spiel verliert seine Regeln.
Aber es ließe sich eben auch etwas anderes vorstellen: nämlich dass der Gebrauch der Sätze diszipliniert, im Rahmen gehalten wird, sodass die potenzielle Vagheit übersehen wird. Und das ist eben die spielmeisterliche Person. Dies zeigt sich gerade im Verlust: Dirk Baecker fürchtete jüngst, dass die Querfront, die sich gegen das »System« wendet, die Reinheit des Systembegriffs »verdirbt«, gemeint ist natürlich der Systembegriff Niklas Luhmanns.[xxvii] Zur Erinnerung: In Monty Python and the Holy Grail, der 1975 in die Kinos kam, beklagt sich lauthals ein in ein Loch gefallener Ritter, das er vom »System« unterdrückt würde. Das erste Werk mit der Titel Le système social wurde 1773 vom Baron Paul Henri Dietrich Holbach veröffentlicht. Diese »open texture« des Systembegriffs war stillgelegt durch die Präsenz eines Niklas Luhmanns und seiner umgebenden Schüler, die angesichts des Meisters einen einheitlichen Systembegriff feierten. Ist es Zufall, dass einer der größten Stars der toten Theoretiker, Jacques Derrida, gerade die Dekonstruktion der Sprachspiele betrieb und mit seinem physischen Ableben diese theoretische Figur zum Erstaunen seiner Schüler schlicht implodierte?
Am Nullpunkt der Theorie: einige Fragen
Die Frage der Leiblichkeit der Theorie, verbunden mit einem archäologischen Blick stellt auf jeden Fall andere Fragen hinsichtlich des Verschwindens von Großtheorien als wissenschaftshistorische, geistesgeschichtliche Untersuchungen, welche die gesellschaftliche und technische Umgebung als zeitgeschichtlichen Kontext behandeln. Die Spiele, die Satznester soziologischer Großtheorien sind vielmehr Bestandteil von Architekturen, von Arenen, auf Bühnen, die überhaupt das Spektakel hervorbringen. Auf welche Weise werden die Arenen der Spiele errichtet, woher kommen die Scheinwerfer, wer richtet sie? Was hat sich hier verändert? Der Nationalstaat als Korrelationsraum der Sozialwissenschaften und mit ihm die Rolle der Universitäten, welche das Starsystem der Theoretiker hervorbrachte? Die Quantifizierung der wissenschaftlichen Konkurrenz, die Demokratisierung der Wissenschaft, die standardisierten Karrierewege, die Lektürepraktiken angesichts des Bologna-Systems?[xxviii]
Oder ist dies alles schlicht zu kleinteilig gedacht: Müsste, wie schon Norbert Bolz vermutete,[xxix] das Ende der großen Erzählungen auch große Theorien als müde Unternehmungen erscheinen lassen? Was bedeutet es dann aber, dass Lyotard den Bericht über die postmoderne Gesellschaft, in der er in explizitem Bezug zu Wittgenstein, die Sprachspiele der großen Erzählungen untersuchte, nicht so sehr als ideengeschichtliche, philosophische Etüde, sondern als Auseinandersetzung mit der informatisierten Gesellschaft auf Bestellung der Regierung von Quebec verfasst hatte?[xxx] Oder könnte die Konzeption Lepenies weiterhelfen, welche die Soziologie als eine instabile Form zwischen Wissenschaft und Literatur bestimmte? Müsste der Horizont erweitert werden, etwa in dem Denkraum Lukács Theorie des Romans, indem er das Verschwinden des Romans als gesellschaftliches Phänomen erkennt? Hilft es weiter, die Großtheorie als Gesellschaftsroman zu begreifen (wie Greimas Marxens Kapital untersucht hat), um dahingehend das Erreichen eines Nullpunkts der Theorie festzustellen, analog Roland Barthes’ Diagnose des »Degré zéro de l’écriture«? Wäre das dann eine Bewegung hin zum Nullpunkt, welche die Soziologie nur später erreichte als die Literatur? Wären Habermas, Luhmann, Bourdieu Echo des Verschwindens des großen Gesellschaftsromans und wären sie damit bloße Wiedergänger, Schatten der Figur des Romancier, dessen Schicksale sie nun verspätet ereilt? Könnte man Felsch entgegenhalten, der die Vermutung artikuliert, nach der Großtheorie etabliere sich der Theorieroman, dass eine Großtheorie immer schon Theorieroman war?
Gerade angesichts Lepenies Untersuchung der drei Kulturen, wäre diese Position nicht neu; was aber mit der archäologischen Perspektive auf Theorie als exotisches Verhalten und Sprachspiel, hinzu käme, wäre, die Besonderheit der Gesellschaftstheorie und ihrer spezifischen Praktiken des kollektiven Spielens zu berücksichtigen, die auf eigene Weise in die Gesellschaft intervenieren, obwohl die Spielinhalte, die großen Erzählungen, gleich blieben.
Wie nach dem Tod des Autors der literarische Autor als augenfälliges Medienprodukt weiterlebt,[xxxi] so lebte in dieser Perspektive das Bild verstorbener Theoretiker als glitzerndes mediales Produkt und Accessoire weiter, während die ehemaligen großen Spiele der Magister Ludi längst zerfallen sind; oder aber Theorie transformiert sich zu fleischlosen Konstrukte normalwissenschaftlicher Theorien, die allenfalls, in Anlehnung an Barthes’ Charakterisierung als Nullpunkt »nur über eine glänzende jedoch tote Sprache« ihre Gesellschaftsbeschreibungen vollziehen können:[xxxii] müde, formalistische Spiele von müde erscheinenden Theoretikern, gespielt in zusehends leeren Hörsälen.
Oder anders ausgedrückt: Die Scherben vergangener Spiele der Magister Ludi verwiesen dann auf eine andere »Wahrheit«, die selbst gesellschaftlich ist, eine Welt in Stücken,[xxxiii] die sich nicht beschreiben lässt, Spieltrümmer, die dahintreiben, ohne dass sie sich noch zu einem Gesellschaftsspiel zusammenfügen lassen. Auf die Scherbenwelt vergangener Theoriespiele geblickt, ließen sich dann neue oder vergessene Zusammenhänge erkennen, beispielsweise wenn die beschriebene revolutionäre Situation der »Rise of social theory« erinnert wird: Lassen Gesellschaften, die das Spektakel gesellschaftliche Revolutionen nicht mehr zulassen, womöglich auch kein Spektakel der Großtheorie mehr zu? Dann ließe sich, angesichts der toten Theoretiker, durchaus Adornos Diktum über Fourier variieren: »Narren verließen die Welt, und sie bleibt dumm«.[xxxiv]
Literatur
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Waismann, Friedrich: »Verifiability«, in: Flew, Antony (Hrsg.): Logic and Language (first and second series), New York: Doubleday 1965, S. 122–151.
Endnoten
[i] Felsch, Philipp: Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte, 1960-1990, München: Beck 2015.
[ii] Eagleton, Terry: After Theory, New York: Basic Books 2003.
[iii] Raulff, Ulrich: Wiedersehen mit.den Siebzigern Die wilden Jahre des Lesen, Stuttgart: Klett-Cotta 2014, S. 155.
[iv] Felsch: Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte, 1960-1990.
[v] Kantorowicz, Ernst H.: Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, Stuttgart: Klett-Cotta 1992.
[vi] Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft: Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.
[vii] Barthes, Roland: »Einsteins Gehirn«, in: Barthes, Roland: Mythen des Alltags, Berlin: Suhrkamp 2010, S. 118–120.
[viii] Moreau, Joseph (de Tours): La psychologie morbide dans ses rapports avec la philosophie de l’histoire ou de l’influence des névropathies sur le dynamisme intellectuel, Paris: Masson 1859.
[ix] Keller, Felix: »Der Sinn des Wahns. Der Mad Scientist und die unmögliche Wissenschaft«, in: Junge, Torsten und Dörthe Ohlhoff (Hrsg.): Wahnsinnig genial, Aschaffenburg: Alibri 2004, S. 78–97.
[x] Keller, Felix: »Die Anti-Leser. An den Rändern der buchkulturellen Ordnung«, in: Grond-Rigler, Christine und Felix Keller (Hrsg.): Die Sichtbarkeit des Lesens. Variationen eines Dispositivs, Wien, Innsbruck: Studienverlag 2011, S. 148–165.
[xi] De Man, Paul: »Widerstand gegen Theorie«, in: Horst, Johanna-Charlotte (Hrsg.): Was ist Universität? : Texte und Positionen zu einer Idee Was ist Universität?: Texte und Positionen zu einer Idee, Diaphanes 2010, S. 155–178.
[xii] Bourdieu, Pierre: »Der Korporatismus des Universellen. Die Rolle des Intellektuellen in der modernen Welt«, in: Bourdieu, Pierre: Die Intellektuellen und die Macht, hg. von Irene Dölling, VSA 1991, S. 41–65.
[xiii] Gumbrecht, Hans Ulrich: »Steigere die Komplexität Hätschle dein Problem, so dass es immer grösser wird: Darin besteht Niklas Luhmanns Vermächtnis.«, NZZ 27. September (2019), S. 38.
[xiv] Bourdieu, Pierre: Microcosme. Théorie des Champs, hg. von Jérôme Bourdieu und Franck Poupeau, Paris: Raison d’agir 2022.
[xv] Marcuse, Herbert: Reason and Revolution. Hegel and the Rise of Social Theory, London: Routledge & Kegan Paul 1955; Heilbron, Johan: The rise of social theory, Minneapolis: University of Minnesota Press 1995.
[xvi] Nightingale, Andrea Wilson: Spectacles of truth in classical philosophy. Theoria in its Cultural Context, Cambridge: Cambridge University Press 2005.
[xvii] Siehe dazu: König, Gert und Helmut Pulte: »Stichwort ›Theorie‹«, in: Ritter, Joachim, Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel: Schwabe 1998, S. 1128–1154.
[xviii] »Artikel ›Theorie‹«, in: Mittelstrass, Jürgen (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 4, Stuttgart: Metzler 2005, S. 260–278.
[xix] Fourier, Charles: Théorie des quatre movements et de destines gnrales: prospectus et annonce de la dcouverte, Paris: A. Leipzig 1808.
[xx] Comte, Auguste: Physique sociale. Cours de philosophie positive, leçons 46 à 60. Présentations et notes par Jean-Paul Enthoven, Paris: Hermann 1975.
[xxi] Repplinger, Roger: Auguste Comte und die Entstehung der Soziologie aus dem Geist der Krise, Frankfurt am Main, New York: Campus 1999, S. 711.
[xxii] Ebd.
[xxiii] Keller, Felix: »Das ›endgültige soziale Rom‹. Tarde, Saussure und darüber hinaus«, in: Borch, Christian und Urs Stäheli (Hrsg.): Soziologie der Nachahmung und des Begehrens. Material zu Gabriel Tarde, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 226–254.
[xxiv] Keller, Felix: »Die ferne Wirklichkeit. Stefan Georges Kritik an einer Wissenschaft der Gesellschaft«, in: Merz-Benz, Peter-Ulrich und Gerhard Wagner (Hrsg.): Soziologie und Antisoziologie. Ein Diskurs und seine Rekonstruktion, München: UVK 2001, S. 183–209.
[xxv] Abend, Gabriel: »The meaning of ›theory‹«, Sociological Theory 26/2 (2006), S. 173–199.
[xxvi] Waismann, Friedrich: »Verifiability«, in: Flew, Antony (Hrsg.): Logic and Language (first and second series), New York: Doubleday 1965, S. 122–151.
[xxvii] Baecker, Dirk und Alexander Smoltczyk: »›Systemfeinde sind Teil des Systems‹. Interview mit Dirk Baecker«, Der Spiegel online (2022), www.spiegel.de/politik/deutschland/soziologe-dirk-baecker-systemfeinde-sind-teil-des-systems-a-8d1a4fb4-e0b4-4022-96c3-18d4716b707b.
[xxviii] Anicker, Fabian: »Wohin wenden nach den Turns? Eine wissenschaftssoziologische und forschungslogische Betrachtung am Beispiel des »Turn to Practice««, Zeitschrift für Soziologie (2022), S. 1–15, doi.org/10.1515/zfsoz-2022-0020.
[xxix] Bolz, Norbert: »Theorie der Müdigkeit – Theoriemüdigkeit«, Telepolis 9. Juni (1997), https://www.heise.de/tp/features/Theorie-der-Muedigkeit-Theoriemuedigkeit-3445987.html.
[xxx] Lyotard, Jean-François: Les problèmes du savoir dans les sociétés industrielles les plus développées. Rapport sur les problèmes du savoir dans les sociétés industrielles les plus développés, fait au Président du Conseil des Universités auprès du Gouvernement du Québec, Paris: Gouvernement du Québec 1979.
[xxxi] Kaufmann, Vincent: »Die Spektakularisierung der Literatur«, in: Thomä, Dieter, Ulrich Schmid und Vincent Kaufmann (Hrsg.): Das öffentliche Ich: Selbstdarstellungen im literarischen und medialen Kontext, Kultur- und Medientheorie, Bielefeld: transcript 2014, S. 91–103.
[xxxii] Barthes, Roland: Am Nullpunkt der Literatur, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985, S. 99.
[xxxiii] Castoriadis, Cornelius: Le monde morcelé, Paris: Ed. du Seuil 2000; Geertz, Clifford: »Eine Welt in Stücken«, in: Geertz, Clifford (Hrsg.): Welt in Stücken. Kultur und Politik am Ende des 20. Jahrhunderts, Wien: Passagen 2007, S. 13–35.
[xxxiv] Adorno, Theodor W.: »Vorwort«, in: Fourier, Charles: Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen. Herausgegeben von Theodor W. Adorno. Eingeleitet von Elisabeth Lenk, Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt 1966, S. 4–5.
